Landsberger Tagblatt
Sitte, Tüchtigkeit, Heimatliebe und Frohsinn

27.05.2010 19:25 Uhr

Von Gerald Modlinger

Schöffelding Es dürfte wohl die größte Festlichkeit seit Langem, wenn nicht seit jeher in Schöffelding werden: Ab Mittwoch, 2. Juni, feiert der Katholische Burschenverein sein 100-jähriges Bestehen. Fünf Tage lang wird es im Festzelt an der Hartstraße rund gehen - unter anderem mit Discoparty, Comedy, Bayerischem Mehrkampf und Stimmungsmusik. „Wenn man fünf Tage lang ein Fest macht, dann muss man für Abwechslung sorgen“, meint Florian Seemüller vom Festausschuss. 1500 Plätze gibt es im Bierzelt, und die sollen schließlich auch jeden Tag besetzt sein.

Für das 100-jährige Gründungsjubiläum haben die rund 150 Vereinsmitglieder keine Mühe und keinen Aufwand gescheut. Seit zwei Jahren wird im Festausschuss geplant und vorbereitet, 40-mal hat das Gremium getagt und für die Festtage werden bis zu 100 Helfer mobilisiert, um die Großveranstaltung über die Bühne zu bringen.

Vor und nach dem Ersten Weltkrieg war die Gründerzeit der Burschenvereine. Schöffelding erreichte die Burschenbewegung im Jahr 1910. Pater Paulus Sauter aus St. Ottilien und der Redakteur Neumeyer aus Landsberg brachten die Burschenvereinsidee unter die Leute. Durch solche Vereine gedachte die katholisch geprägte Gesellschaft ihre jungen Leute „vor sittlicher Verkommenheit und Glaubenslosigkeit zu schützen“. Um das zu gewährleisten, bestand der Verein bei seiner Gründung am 13. Februar 1910 nicht nur aus 19 Burschen, sondern auch aus 15 Männern als Ehrenmitgliedern und dem damaligen Pfarrer Ulrich Aumiller als Präses. Interessanterweise gab es auch keinen Vorsitzenden, sondern einen „Ordner“.

„Glaube und Sitte, Berufstüchtigkeit, Heimatliebe, Frohsinn und Scherz“: Das waren damals die vier Eckpfeiler, auf denen der „Verband der katholischen Burschenvereine für das Königreich Bayern“ gründete, dem auch der Schöffeldinger Verein angehörte. Wenngleich heute solches Vokabular altertümlich wirkt, es drückt bis heute die Funktion des Vereins aus: Noch immer ist es weitgehend selbstverständlich, mit 14 Jahren dem Burschenverein beizutreten, um so in die dörfliche Gesellschaft hineinzuwachsen und Tradition und Brauchtum fortzuführen. So lautet auch der heutige Vereinszweck - wobei wohl nicht erst in der Gegenwart „Frohsinn und Scherz“ im Vordergrund stehen. Burschenball, Osterfeuer, Maibaum und Theaterspiel sind seit Jahrzehnten Beiträge der Burschen zum Dorfleben.

„Miss Marple“ ist das einzige weibliche Wesen im Verein

Fahnenweihen und Jubiläen lieferten zudem immer wieder festliche Anlässe bei den Schöffeldinger Burschen: Auf den Tag genau heute vor 99 Jahren wurde beispielsweise die Vereinsfahne geweiht. Zum 100-Jährigen wurde sie einer 7000 Euro teuren Restaurierung unterzogen. „Miss Marple“ heißt sie bei den Burschen dazu, und sie ist nach wie vor das einzige weibliche Mitglied des Vereins, wie Florian Seemüller augenzwinkernd sagt. Ansonsten gilt, dass nur junge Männer beim Burschenverein Mitglied werden dürfen - inzwischen ist aber die katholische Konfession nicht mehr Voraussetzung. Frauen und Partnerinnen sind aber fest im Verein eingebunden und schmücken nicht nur das offizielle Foto zum 100-jährigen Jubiläum in der Festschrift. Denn auch bei einem Burschenverein gilt: „Was wäre man ohne Frauen?“

 

Landsberger Tagblatt
Erkenne dich selbst in Martina

04.06.2010 18:55 Uhr

Von Romi Löbhard

Schöffelding Das mit 1200 Besuchern ausverkaufte Festzelt gab den Organisatoren Recht: Es hatte sich gelohnt, für das Festwochenende „100 Jahre Katholischer Burschenverein Schöffelding“ einen echten Knaller in den Ort zu holen. Der meiste Platz war noch auf der Bühne, wo Martina Schwarzmann agierte: Die urbayerische Kabarettistin braucht weder aufwendige Bühnenausstattung noch viele Worte, wenn sie ihren tief gehenden Überlegungen nach dem Motto „So schee kon ’s Leben sei“ nachgeht.

Fast zerbrechlich sitzt sie auf einem Barhocker, das Haar streng nach hinten gebunden, die Gitarre vor sich auf den Knien. Ein Stehtischerl darf zwei kleine Wimpel und ihr Wasserglas tragen - fertig. Das Visuelle ist alles so klein und nicht aussagekräftig und für die Besucher an den hintersten Tischen eigentlich gar nicht mehr erkennbar.

Was also ist es, das die Massen dergestalt anzieht, dass ein Bierzelt zum Brechen voll ist und gar nicht mehr alle, die Einlass begehren, diesen auch bekommen? „Viele der Besucher erkennen sich in Martina Schwarzmann wieder“, so formuliert es ein Besucher, „sie spricht das aus, was sicher ziemlich jeder schon erlebt hat.“ Dass sie dafür nur wenige, mitunter auch nur ein einziges Wort braucht, quasi urbayerischen Minimalismus pflegt und diesen beinahe zur Vollendung treibt, auch das ist nach Meinung eines Besuchers der Grund für den Erfolg Schwarzmanns.

Kunstpausen tun ihr Übriges. Wenn die Schwarzmann vom „hinterher meditieren“ erzählt und vom Anführer, der vom „warmen, weichen Gras“ redet, dann setzt sie erst einmal eine ordentliche Pause, so als hätte sie vergessen, was sie eigentlich sagen wollte. Spricht sie dann das aus, woran sie bei „weichem Gras“ denkt, geht ein Aufschrei durchs Publikum: „Zecken!“ Ja, genau das denkt sich der naturverbundene Mensch doch auch.

Gut kommt es auch an, und es brandet Beifall auf, wenn sie mit ihren Auftrittsorten kokettiert. „I spui do, wo ’s einspurig is - oa Spur für beide Richtungen“, erklärt sie und lobt die Schöffeldinger für ihren Autobahnanschluss. Oder mit ihrem Englisch „im Rahmen meiner Möglichkeiten“, schließlich habe sie den kürzesten Schulweg gewählt. Und der führte in die 3,5 Kilometer entfernte Hauptschule.

„Erika macht a Gschiß.“ Warum, das hat sie nach den fünf Tagen, die ihr Ehegespons braucht, um zu verstehen warum, natürlich längst vergessen. Ein klassisches Partnerproblem und einfach nicht abzustellen. „Vertrauen ist wichtiger als Ehrlichkeit.“ Auch das ist eine Binsenweisheit, mit der jeder mal irgendwann liebäugelt.

Bekommt jemand sein Fett ab, beispielsweise „Leit, de wo no nia in echt wo warn, de wo bloß oiwei vorm Fernseher flacka“, auch dann wird herzhaft gelacht. „Man“ ist ja in echt bei Martina Schwarzmann...

Heute geht das Burschenfest mit den „Isartaler Hexen“ weiter, am Sonntag folgen Fahnenweihe und ein Umzug durchs Dorf. (löbh)

 

Landsberger Tagblatt:
Jede Menge Gaudi und Tradition

06.06.2010 18:30 Uhr

Von Alwin Reiter

 

Schöffelding Volles Zelt, riesen Stimmung und spannende Wettkämpfe - so feierte der Katholische Burschenverein Schöffelding am Freitag seinen Bayerischen Abend zum 100. Jubiläum.

Nach dem Empfang der Vereine am Maibaum ging es im Bierzelt mit Wettkämpfen weiter. Musikalisch wurde der Abend von der Schöffeldinger Blasmusik umrahmt, die mit Stücken wie „Auf der Vogelwiese“, „Böhmischer Traum“ und „Dem Land Tirol die Treue“ die Stimmung anheizte. Erster Vorsitzender Michael Stiller begrüßte acht Burschenvereine mit Fans, wobei der beste Fanclub mit einem Preis ausgezeichnet wurde. Patenverein für dieses Jubiläum ist der Burschenverein Finning. Bei den weiteren Festreden sprachen Schirmherr Hans Deininger und Bürgermeister Walter Graf Glückwünsche zum 100-Jährigen aus. „Bei jedem Fest in Schöffelding ist der Burschenverein dabei“, so Graf. An weitere Mitwirkende des Festes überreichte Stiller zum Dank Präsente. Weiter konnte er die beiden Geistlichen Ortspfarrer Robert Neuner und den ehemaligen Pfarrer Willy Berchtold begrüßen. Keiner der vier Wettkämpfe war ohne Gaudi zu bewältigen. Begonnen wurde mit Sägen, wobei der „Hennaschluf Faretshausen“ mit einer Zeit von 27,75 Minuten die Scheibe abgeschnitten hatte. Als nächster Wettkampf war Biertischkraxeln angesagt, dabei musste der Biertisch von einem Burschen in einer gewissen Zeit so oft wie möglich umrundet werden, was sehr an den Kräften zehrte. Bei der dritten Disziplin wurde es feuchter, es ging ums Maßkrugschieben auf einem nassen Brett. Wer am besten an die markierten Linien mit den Punktzahlen schob, gewann. So mancher Maßkrug kam entweder vorher zum stehen oder schoss über die Linie hinaus.

Holzscheitheben und Tauziehen

Nach dieser Disziplin ging es zum Holzscheitheben bei ausgestrecktem Arm. Zwei Teilnehmer schafften eine beachtliche Zeit von über zwölf Minuten. Als letzte Disziplin folgte Tauziehen, wobei wiederum der „Hennaschluf“ mit den beiden Thomabrüdern einen klaren Sieg erzielte. Bei allen Disziplinen wurde auch die beste Show der teilnehmenden Vereine bewertet. So erhielt der Katholische Burschenverein Langerringen den Sonderpreis in Form von einem Fass Bier. Als bestes Team belegte Hennaschluf Faretshausen den ersten Platz, die Bude Petzenhausen den zweiten und die JM Vilgertshofen den dritten Platz. Mit viel Stimmung und fetziger Blasmusik mit Tanz feierten die Burschen bis spät in die Nacht hinein. Am Samstag war Seniorennachmittag des Landkreises, der mit einer Ausstellung „Schöffeldinger Landmaschinen und Geräte im Wandel der Zeit“ umrahmt wurde. Den ersten Preis aus der Verlosung aller Gemeinden im Landkreis gewann Eresing.

Höhepunkte beim Seniorennachmittag waren das Schuhplatteln sowie die Geigendarbietung von Bruder Otto aus dem Kloster St. Ottilien. Nebenbei fand das Lebendkickerturnier im Freigelände bei herrlichem Sommerwetter statt. Am Samstagabend wurde im vollbesetzten Zelt noch mal mit den Isartaler Hexen gefeiert.

Landsberger Tagblatt:
Sommerhitze pünktlich zum großen Fest

06.06.2010 18:30 Uhr

Von Romi Löbhard

Schöffelding Als hätte Petrus darauf gewartet, dass der Katholische Burschenverein Schöffelding sein 100. Gründungsjubiläum feiert, hörte zu Beginn der Festtage erst der Dauerregen auf, lugte anschließend gar die Sonne hervor, sodass am Sonntag die Tage mit Fahnenweihe und Festzug durchs Dorf bei strahlendem Sonnenschein und früh-, ab mittags hochsommerlicher Wärme gekrönt werden konnten.

Der eigentliche Festtag verlangte von den Madln und Burschen einiges ab. Früh um halb sieben war die Nacht zu Ende, ab acht Uhr empfingen die Schöffeldinger ihre Gäste zum Frühschoppen mit der Schöffeldinger Blaskapelle. Letztere führte den Kirchenzug an und umrahmte gemeinsam mit dem Singkreis Schöffelding den festlichen, vom Ortsgeistlichen Robert Neuner und seinem Vorgänger, Pfarrer Willi Berchtold in Konzelebration gefeierten Feldgottesdienst. Bevor die frisch hergerichtete Fahne ihren kirchlichen Segen erhielt, lobte Neuner die Mitglieder des Burschenvereins, die immer wieder gemeinsam anpackten und so Gottes Auftrag erfüllten. „Es gibt eine Zukunft, weil es euch gibt.“ Nach der Übergabe einer Reihe von Ehrenbändern, die der Fahne „Gewicht“ im wörtlichen Sinn verleihen, marschierte die Festgesellschaft ins Zelt, zum Mittagessen bei musikalischer Unterhaltung mit der „Heldensteiner Heubodn Blosn“. Der von Böllerschützen angekündigte Festzug mit rund 70 Gruppen durchs Dorf bedeutete für nicht wenige der Teilnehmer einen großen Kraftakt. Der Gang durch die zuschauergesäumten Straßen von Schöffelding trieb den Musikern der acht Blaskapellen den Schweiß auf die Stirn. Die sommerliche Hitze setzte auch den Fahnenträgern zu, die es sich trotzdem nicht nehmen ließen, mit gewagten Schwüngen zu beeindrucken.